3. Der Luftkrieg über den deutschen Städten

3.1. Einleitung

Luftkrieg über Deutschland, dass heißt vorrangig Luftkrieg über deutschen Städten. Dieses Kapitel soll von den Angriffen der Alliierten auf die Städte und von der phasenartigen Zerstörung Deutschlands berichten. Zu dem Thema "Zerstörung von Deutschland" gehören auch die Angriffe auf Eisenbahnanlagen, weshalb der Autor in diesem Kapitel kurz darauf eingehen möchte.

Von den Briten wurden schon 1941 unter dem Deckwort "Unison" ("Gleichklang") 19 deutsche Städte nach deren Brandanfälligkeit katalogisiert. Als wenig geeignet für einen Angriff mit Brandbomben befand man Frankfurt und Kiel wegen ihren steinernen Mauern im Zentrum. Als lohnenswert wurden hingegen die Städte Bremen, wegen dem alten Stadtzentrum aus Holz, und Freiburg, wegen dem eng bebautem Stadtkern und den vielen Holzhäusern, bewertet.

3.2. Eisenbahnen im Luftkrieg

Der Autor versucht das Thema "Eisenbahnen im Luftkrieg" anhand von Beispielen, kurz zu erläutern.

Eisenbahnen und deren Umfeld waren im Luftkrieg durch zahlreiche Besonderheiten gekennzeichnet. Wenn entlang einer Bahnstrecke Sirenenalarm zu hören war, so gaben die Züge ihren planmäßigen Fahrplan auf, um den Bomben zu entkommen. Es bestand dann nur noch die Hoffnung auf einen rettenden Tunnel. Da nur wenige Züge mit Flugabwehrgeschützen ausgerüstet werden konnten, waren diese auch ein leichtes Ziel für die Luftstreitkräfte der Alliierten. So bestimmten Trichterfelder, Ruinen und Bunker die Landschaft um die Bahngleise und Bahnhöfe. Nicht nur Eisenbahner, sondern auch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter waren zur Behebung der Schäden rund um die Uhr im Einsatz. In den letzten Kriegswochen nahm die Zahl der Luftkriegsopfer auf den Bahnhöfen drastisch zu. So starben bei Angriffen auf die drei südbayrischen Bahnhöfe Teuchtlingen, Augsburg und Plattling 1550 Menschen. Nicht nur die Züge und Bahngleise, sondern auch wichtige Brücken wurden bei den Angriffen stark beschädigt. So zeigten die Attacken auf Eisenbahnen doch enorm große Wirkungen auf Mensch und Maschine.

"Obwohl sich die Ostfront Anfang Mai 1945 schon häufig durch fernes Grollen bemerkbar machte, lebten wir Zwölfjährige in Sebnitz noch recht unbeschwert. Der Schulunterricht fiel bereits einige Zeit aus. Dem Flüchtlingselend begegneten wir eher am Rande. An den fast ständigen Flugzeuglärm waren wir gewöhnt. Immer häufiger ertönten auch am Tage die Sirenen in der Stadt wegen Fliegeralarms. Dann dröhnten oft in großer Höhe die Bomberverbände aus dem Süden kommend ihren weiter nördlich gelegenen Angriffszielen entgegen. Wir wohnten in der Amtshainersdorfer Siedlung, da hörten wir die Sirenen kaum, und niemand schickte uns in einen Luftschutzkeller. Vereinzelt gingen bereits Berichte über Tieffliegerangriffe herum und bald sogar vom Auftauchen russischer Panzer in der Nähe von Bischofswerda. Auf der Eisenbahnstrecke von Bad Schandau nach Sebnitz fielen uns jetzt manchmal schwere Kesselwagenzüge mit 52er-Kriegsloks auf, doch die Personenzüge verkehrten noch immer nach dem gültigen Fahrplan. So war es auch am 7. Mai 1945. Des-halb bat ich meine Mutter um die Erlaubnis, zur Großmutter nach Groß Schönau (jetzt Velky Senov) fahren zu dürfen. Fast alle zwei Wochen fuhr ich abwechselnd mal nach Schönau oder zur Tante nach Rumburg. An jenem Tag aber fuhr ich statt nach Groß Schönau nach Rumburg. Meine Tante sah mich beim Eintreffen ganz entgeistert an: "Was willst du denn noch hier? Es kommen doch bald die Russen, es besteht schon Panzeralarm!" So einigten wir uns darauf, dass ich gleich am nächsten Mittag zurückfahren würde. Am 8. Mai herrschte bereits große Unruhe unter der Bevölkerung. Die Personenzüge aus Richtung Böhmisch Leipa führten in der Mitte einen Plattformwagen mit, auf dem eine Besatzung mit Vierlingsflak gegen Tieffliegerangriffe stationiert war. Einige der eingesetzten Lokomotiven der Baureihe 64 trugen einen grünbraunen Tarnanstrich. Nördlich des Rumburger Bahnhofs befand sich eine große Flakstellung.
Zum Zug nach Sebnitz zur Abfahrt um 14.14 Uhr war ich rechtzeitig zur Stelle, löste aber nur eine Fahrkarte bis Groß Schönau, um dort zur Großmutter zu gehen. Wie üblich stieg ich in den ersten Wagen hinter der Lok ein. Doch plötzlich hieß es: "Tieffliegerangriff, alles raus!" Eilig verließ ich mit den übrigen Reisenden Zug und Bahnsteig, um im Schutzbunker im Park vor dem Bahnhof Unterschlupf zu finden. Kaum war der erste Angriff vorbei und ich wieder am Bahnsteig, hieß es erneut: Tiefflieger!
Wohin jetzt? Der Bunker war nun zu weit weg. Ich ging auf der angrenzenden Straße hinter einer großen Panzersperre in Deckung. Von dort beobachtete ich die aus allen Rohren feuernden niedrig fliegenden Schlachtflugzeuge mit dem roten Stern. Das alles spielte sich in wenigen Minuten ab. Endlich setzte sich unser Zug langsam in Bewegung. Ohne Dampf- und Rauchwolken schlich er sich aus dem Bahnhof, um dann zu beschleunigen. Hinter dem Haltepunkt Karltal ein Blick aus dem Fenster zurück: schwarze Explosionswolken, darüber Tiefflieger. Später erfuhr ich, dass das Rumburger Bahnhofsgebäude und der Lokschuppen Volltreffer erhalten hatten. In Schluckenau kreisten etwas nördlich der Bahn erneut Tiefflieger. Aber sie ließen uns ungeschoren weiterfahren.
In Groß Schönau erhebliche Aufregung: Auf dem Nachbargleis ein Flüchtlingszug, lauter Plattformwagen, beladen mit dem letzten Hab und Gut auf Pferde- und Leiter-wagen. Dazwischen verängstigte Menschen. Tieffliegerbeschuss hatte Tote und Verletzte verursacht. Nun ging es um unsere Lok; sie sollte den Flüchtlingszug übernehmen. Doch schließlich blieb sie am Personenzug. Mit meinem Aussteigen wurde es nichts: Großmutter stand weinend mit meinem Bruder am Bahnhof; er war gekommen, um mich zurückzuholen, da der Ort bis 17 Uhr zu räumen sei! Wir verabschiedeten uns, und der Zug setzte seine Fahrt schnell fort. Doch in Niedereinsiedel fand diese ein unplanmäßiges Ende. Sebnitz nahm den Zug nicht mehr ab, da Räumungsbefehl bestand und der Bahnhof nicht mehr aufnahmefähig war. Aus Richtung Rugiswalde klang Kriegslärm herüber. Es war etwa 15.30 Uhr, und in aller Eile machten wir uns beide nun zu Fuß auf den Weg durch Sebnitz nach Amtshainersdorf, das wir nach reichlich einer Stunde erreichten.
Da rollte gerade der letzte Räumungszug in Richtung Bad Schandau: 60 Wagen, drei Loks vorne und drei in der Mitte! Plötzlich ein Krachen, die ersten Artilleriegeschosse explodierten über dem Ort. Höchste Zeit, den anderen Einwohnern in Richtung Keil-holz zu folgen. In großer Sorge und Ungeduld wurden wir zu Hause erwartet. Auf dem Leiterwagen und zwei kleineren Wagen waren die wichtigsten Habseligkeiten bereits verstaut. Diese beiden Wagen schoben wir zuerst bis hinauf zur Lichtenhainer Straße. Dort strömte ununterbrochen der Rückzug: schwere Artillerie, alle Arten von Wehrmachtsfahrzeugen und dazwischen Flüchtlingstrecks. Diese Kolonnen waren jetzt Ziel feindlicher Geschütze, doch die Granaten schlugen in die Siedlung ein. Mein Bruder und ich lagen im Straßengraben in Deckung. Dann knallte es furchtbar im Sebnitztal: Die erste Eisenbahnbrücke flog in die Luft, einige Zeit später auch eine zweite.
Endlich hatten wir gemeinsam mit den Eltern und den anderen Geschwistern den hoch beladenen Leiterwagen auf der Chaussee und zogen weiter Richtung Keilholz. Am Waldrand suchte noch ein Trupp bewaffneter Landser unter Führung eines Feld-webels auf einer Karte nach der "HKL", der "Hauptkampflinie"! In der sternenklaren warmen Mainacht am Rande des Keilholz-Hochwaldes störte uns dann im Schlaf nur das laute Dröhnen der Panzermotoren aus dem Kirnitzschtal. So ging für uns der letzte Tag des schrecklichen Krieges zu Ende."
(Günter Wessner in "Bahn extra" S. 50 f)

(Anmerkung: Kursive Gestaltung durch den Autor)

3.3. Technik des Abbrennens einer Stadt

In diesem Kapitel möchte der Autor die Taktik der britischen Luftstreitkräfte darstellen und an diesem Beispiel die Durchdachtheit der Luftangriffe darlegen. Es soll in diesem Textabschnitt gezeigt werden, dass die Angriffe auf die Städte nicht nur aus reiner Willkür entstanden sind, sondern sehr gut durchdachte und wohl geplante Unternehmen waren. Welche Grundgedanken verbergen sich hinter den Angriffen auf die Städte und welche Ziele wurden dabei von den Angreifern verfolgt? Welche Taktik erwies sich dabei als die Effektivste? Diese Fragen soll das folgende Kapitel beantworten.

Die grundlegende Idee der Alliierten bestand darin, die Städte aus der Luft abzubrennen. Die Entzündbarkeit einer Stadt wächst von außen nach innen. Deshalb wurden die meisten Städte in 4 Zonen, in drei Außenringe und in den Stadtkern eingeteilt:

  • Der erste Ring bestand aus weitläufigen Industrieanlagen, die durch eingezogene Brandabschnitte voneinander getrennt waren. Diese gigantischen Stahlkonstruktionen aus dem 19. und 20. Jahrhundert waren vom Feuer nur schwer zu entzünden.
  • Der zweite Ring, bestehend aus den Gebäuden der Gründerzeit, wies enge Straßenzüge auf. Diese absorbieren die Wärme sehr gut, was ein entscheidender Faktor bei der Brandausweitung war.
  • Im dritten Ring befanden sich drei bis sechsstöckige Gebäude aus dem 18. Jahrhundert. Diese Konstruktionen waren nur mit dünnen Holzwänden voneinander getrennt. Die Häuser waren meist auf Holzbalken gemauert und die Stockwerke wurden nur von Zwischendecken getragen, die mit Stopfmaterial gefüllt waren.
  • Der Stadtkern, oder unter dem Namen Altstadt besser bekannt, wies ein mittelalterliches bis frühneuzeitliches Bebauungsmuster auf. Die Straßen waren eng, verwinkelt und meist stark gewunden. Die Häuser wurden von Balkenrahmen aus Holz gehalten und waren teils mit Ziegeln aufgefüllt. Als die Wände zu dieser Zeit Abnutzungserscheinungen aufwiesen, wurden sie nur notdürftig mit Stopfmaterial geflickt. Dieses Material, zu einem großen Teil aus Holz bestehend, war sehr gut brennbar. Die dünnen Trennwände waren sehr gut dazu geeignet, bereits vorhandene Brände in andere Wohnungen übergreifen zu lassen. Auch die Dachgeschosse waren reichlich mit Holz ausgebaut.

Die Chance einer Bombe auf ein brennbares Gebiet zu fallen, wächst mit dem Schwinden von Freiräumen, Vorgärten und Baulücken. Die Flamme braucht die Enge und Straßen, die schmäler sind als ihre Häuser hoch. Die Form des Daches, aus Ziegel und Gebälk bestehend, ermöglichte es, den Brand zu legen, der nach unten wächst. Pro Stockwerk brauchte das Feuer 3 Stunden um sich auszubreiten. Wenn die Löschkräfte rechtzeitig am Brandort waren, hatten die Flammen keine Chance. Ohne das Scheitern der Feuerwehr hätte kein Flächenbrand in einer Stadt zustande kommen können. Aber ohne Wege zur Schadensstelle und ohne Wasserverbindung war auch für sie kein Durchkommen. Die Engländer zerstörten mit Sprengbomben das Straßen- und Leitungsnetz. Die Lösung lag daher recht schnell auf der Hand. Wasser wurde aus den vorsorglich aufgestellten Löschteichen entnommen und auch die Straßen waren schnell repariert. Deshalb wurde eine Splitterbombe mit Zeitzünder eingesetzt. Sie zerstörte noch Stunden nach dem Einschlag Straßen und behinderte auch die Rettungskräfte.

Die Luftangriffe der Alliierten wurden sorgfältig in Abhängigkeit von Temperatur, Feuchtigkeit und Wind geplant. Dieser Punkt half aber den Piloten nicht bei der Kalkulation ihres Abwurfpunktes. Um dennoch ein Ziel zu treffen, wurden diese hilfsweise mit einer Masse an Bomben eingedeckt.

Man schaffte eine von den Wissenschaftlern gelenkte Waffe, den Brandangriff.

Fazit:

Im Laufe der Entwicklung des Brandangriffs stellte sich heraus, dass die Sprengtaktik bei weitem nicht so effektiv ist wie die Brandtechnik. Durch letztgenannte war es möglich, mit weniger Aufwand eine größere Wirkung zu erreichen. Das zeigt auch folgende Statistik: Mit 7000 t Munition erreicht man mit Hilfe der Sprengtaktik einen Schadensstreifen von circa 30 qkm. Bei dem Verfahren des Brandes ist mit gleicher Munition ein Streifen mit 150 qkm Verwüstung möglich. Daraus folgt, dass eine Stadt leichter abzubrennen als zu sprengen ist. Ein erfolgreicher Brand verlangt nach der Ansicht des Autors aber beides. Ohne die Sprengstoffe wäre ein ausgedehnter Flächenbrand in den Städten nicht möglich gewesen. Der Prozess der Findung dieser Taktik dauerte bis zum Sommer 1943. Erst ab da wurde von den Briten einheitlich nach dieser Methode angegriffen. Da die USA diese Technik nicht in diesem Maßstab verfolgte, wurden sie in diesem Kapitel nicht genannt.

3.4. Erste Angriffe

In den nun folgenden Textabschnitten soll ein chronologischer Ablauf des Luftkrieges dargestellt werden. Der Autor legte besonderen Wert auf die Einteilung der Angriffe in bestimmte Themengebiete.

3.4.1 Lübeck als erstes Ziel der Alliierten

Das erste Ziel der Royal Air Force war Lübeck. Die Briten gingen mit einem Ziel in diesen Angriff: Sie wollten eine Antwort auf die Frage, ob es gelingt mit Spreng- und Brandbomben eine ganze Stadt in Schutt und Asche zu legen und damit die Bevölkerung zu demoralisieren.

Gegen 23.16 Uhr schrillten die Sirenen, es ertönte das Signal für den Fliegeralarm. Jedoch nahm das kaum jemand der Lübecker richtig ernst. Schon 200-mal hatte es seit Kriegsbeginn Fliegeralarm gegeben und noch nie war eine Bombe gefallen. Doch diesmal war es anders als sonst. Britische Bomber flogen in zwei Wellen Angriffe gegen die Stadt an der Travemündung. Der erste Angriff dauerte 20 Minuten. Durch die abgeworfenen Brandbomben entstanden zahlreiche Großbrände. Es wurde Feuerwehrverstärkung aus Kiel angefordert, denn die Lübecker Kräfte waren mit dem Angriff vollkommen überfordert. Doch als sie eintrafen, war es schon zu spät. Denn bereits ab 0.15 Uhr rollte die zweite Welle. Sie dauerte circa 3 Stunden an. Danach zählten Überlebende 320 Tote, 784 Verletzte und 1425 zerstörte Wohnhäuser, darunter auch unersetzbare Kunstschätze, wie der Dom aus dem 12. Jahrhundert, die Marienkirche und zahlreiche Bürgervillen, wie zum Beispiel auch das Haus der Buddenbrooks.

In dieser Nacht fielen aus 234 Bombern 25000 Brandstäbe und 300t Sprengbomben. Der Zweck, den dieser Angriff verfolgte, war denkbar einfach: Die Deutschen sollten an der Heimatfront demoralisiert werden.

"Wir sind noch am Leben", beschreibt eine Lübeckerin die Schreckensnacht, "aber diese Nacht werden wir nicht vergessen. Vor uns, neben uns und hinter uns gingen die Häuser in Flammen auf. Brandbomben hagelten nur so herunter, dann wieder Sprengbomben, sogar Luftminen." (Spiegel - Special "Als Feuer vom Himmel fiel - Bombenkrieg gegen die Deutschen" S.37)

3.4.2. Operation Millennium

Nach Lübeck plante Harris, der oberste Befehlshaber der Royal Air Force, schon den nächsten Schlag. Er entwarf einen 1000-Bomber Angriff auf eine deutsche Stadt. Man wollte entweder Hamburg oder Köln bombardieren. Das Wetter sollte entscheiden und es entschied auf den Angriff auf Köln. Am 30. Mai 1942 machen sich 1094 Flieger nach Köln auf. Es war das erste Mal, dass über 1000 Bomber zusammen einen Angriff geflogen sind. Unter den Besatzungsmitgliedern waren viele junge Flugschüler. Das Unternehmen konnte daher nur durch den Einsatz eines neuen Navigationssystems gelingen, wodurch es nicht passieren konnte, dass sich die Flugzeuge in der Luft in die Quere kamen. Köln zählt vor den Angriffen 700.000 Einwohner. In einem 90-minütigem Angriff fallen 1350 Spreng- und 460.000 Brandbomben. Die Stadt beklagt nach dem Angriff aus der Nacht zum 31. Mai 1942 469 Tote, über 5000 Verletzte, 3300 zerstörte Gebäude und 45.000 Obdachlose. Die Engländer verlieren hingegen nur 41 Maschinen.

Churchill wollte, wie in Köln, jede Stadt einer Feuerprobe unterziehen. Flächenbrände sollten einen Großteil der Zivilbevölkerung auslöschen und den restlichen Teil von ihnen demoralisieren. Köln wurde im weiteren Kriegsverlauf noch weitere 262 Mal bombardiert. Nach Aussagen eines dänischen Reporters glichen Luftbilder aus Köln nach den Angriffen, denen von Pompeji.
Köln sollte als Vorzeigebeispiel für andere Städte vorangehen. Das Unternehmen Jahrtausend war für die Royal Air Force ein voller Erfolg.

3.5. Angriffe auf das Ruhrgebiet

3.5.1. Angriffe der Royal Air Force auf Essen und Umgebung

Am 5. März 1943 wollte man dem Ruhrgebiet einen gewaltigen Schlag geben. Man wollte es wirtschaftlich schwächen und seine Bevölkerung demoralisieren. Für den Beginn hatte das Bomber Command aus England Essen ausgewählt. Mit seiner zentralen Lage stellte es für Harris einen Stich ins Herz der Wirtschaftsregion und gleichzeitig einen herben Rückschlag für Deutschland dar. Das Unternehmen sollte mit "nur" 442 Bombern gelingen.

Man hatte für diese Angriffe eine neue Angriffsstrategie entwickelt. So genannte Pfadfinderflugzeuge warfen Leuchtbomben über dem Zielgebiet ab um den Bombern bei den Nachtangriffen das Zielen zu erleichtern. Durch diese neue Methode kam es zu hohen Verlusten an Wohnhäusern und Menschen. Erstmals kam es zur Tötung von 1000en Menschen. Im Industriegebiet hatten die Angriffe besonders Auswirkungen auf die Produktion. Die Krupp Werke wurden stark beschädigt. Die Stadt Essen erlebte bis zum 14. Juli 1943 43 weitere schwere Angriffe mit 18506 Einsätzen.

Doch auch andere Städte im Ruhgebiet wurden nach und nach bombardiert. Darunter befanden sich auch die Großstädte Dortmund, Bochum und Duisburg. Allein Dortmund wurde im ersten Halbjahr 1943 siebenmal bombardiert. Allein am 23. Mai zählte es mehr als 600 Tote.

Ab dem Mai 1943 griffen die Amerikaner mit gezielten Tagesangriffen vorwiegend die Rüstungsgebiete an. In diesen sommerlichen Tagen befand sich über dem Ruhrgebiet eine Dunstglocke. Auf Grund der schlechten Sicht wurden viele Randgebiete der Städte getroffen. Unter den Menschen breitete sich Resignation aus. Harris hatte sein Ziel wieder erreicht.

3.5.2. Angriffe auf die Talsperren der Möhne und der Eder

Am 16./17. Mai ließ Harris die Royal Air Force zu einem Angriff auf die Talsperren der Möhne und der Eder starten. Eigens für den Angriff wurden neue Riesenbomben mit einer um ein vielfaches größeren Sprengkraft entwickelt. Das Unternehmen war ein Himmelfahrtskommando, denn die Talsperre der Möhne war nur schwer zu treffen. Erst die 5. Bombe traf. Bei diesem Angriff verloren die Engländer 8 von 12 Maschinen mit 53 Besatzungsmitgliedern. 3 Besatzungsmitglieder gerieten in Gefangenschaft. Der Anführer dieser Operation Guy Gibson erhielt das Victoria Kreuz, den höchsten britischen Kriegsorden. Militärisch gesehen war der Angriff jedoch ein totaler Fehlschlag. Man wollte die Wasserversorgung im Ruhrgebiet und in Kassel lahm legen. Doch dieser Fehlschlag beruhte auf ungenauen Informationen, die das britische Bomber Command erhielt. Das Ruhrgebiet bekam erstens Wasser aus mehreren Seen und zweitens wurden die Staumauern in kürzester Zeit wieder aufgebaut. Durch die entstehende Flutwelle ertranken im Tal der Möhne 1200 Menschen, davon 800 Männer und Frauen aus einem Fremdarbeiterlager, im Edertal waren es 58, die von der Flut überrascht wurden.

3.6. Die Operation Gomorrha

Ein Jahr nach den Angriffen auf Köln traf es am 27./28. Juli 1943 auch Hamburg.

Am 24. Juli starteten in England 791 Maschinen gegen Hamburg. Das Wetter begünstigte Brandangriffe auf Hamburg. Es war brütend heiß und selbst nachts sank das Quecksilber kaum unter 30 Grad Celsius. Die Angriffe rollten in drei Wellen über die Elbestadt. Als Erstes wurden Luftminen, so genannte "Blockbuster" abgeworfen. Man deckte Dächer ab, zerstörte Fenster und ließ Brandmauern einstürzen. Als Zweites ließ man vom Himmel Brand- und Phosphorbomben "regnen". Es kam zur Ausbildung eines Feuersturms. Da warme Luft die Eigenschaft hat, so weit aufzusteigen, bis sie die gleiche Dichte erreicht wie die sie umgebende Luft, entsteht am Boden eine starke kaminartige Sogwirkung, die das Feuer zum Sturm anfacht. Es bilden sich Flammen mit ungeheurer Schnelligkeit und Stärke aus. Als Folge darauf wird der Umgebung der Sauerstoff entzogen und so kann sich das beim Brand entstehende, giftige Kohlenmonoxid sich besser ausbreiten. In der dritten Welle warf man Spreng- und Splitterbomben, teils mit Zeitzündern, ab. Durch die zerstörten Wasserleitungen und die entstehenden Krater in den Straßen wurden die Löscharbeiten erheblich behindert. Brände konnten sich so noch schneller und besser ausbreiten. Über den in Brand geratenen Stadtteilen bildete sich eine gigantische Heißluftsäule und es kam zu orkanartigen Feuerstürmen.

Die Menschen in der Stadt starben entweder durch Hitzeschlag, Überdruck, an den Folgen ihrer Verbrennungen, an Kohlenmonoxidvergiftung oder sie erstickten qualvoll in ihren Kellern, weil ihnen der Fluchtweg durch einstürzende Häuserzeilen versperrt wurde. Die Briten erhielten bei den nächtlichen Angriffen auf Hamburg am Tage Unterstützung durch die Amerikaner, die 3 Tagesangriffe auf den Hamburger Hafen und den Hauptbahnhof flogen.

Aber es stellt sich die Frage, warum hatte Harris diese Operation Gomorrha getauft? Auf die biblischen Städte Sodom und Gomorrha ließ Gott vom Himmel "Schwefel und Feuer regnen" und zerstörte "diese ganze Stadt und die ganze Gegend und alles Gewächs des Bodens" (Zitat nach Genesis)als Rache für die Sünden der Menschen die in ihnen lebten. Harris hatte sein Ziel erreicht, aus Hamburg war Gomorrha geworden. Die Zerstörung Hamburgs hatte weiterhin Symbolcharakter. Erstens sollte Hamburg als Beispiel dienen wie man ganze Großstädte in Schutt und Asche legen konnte und zweitens hatte man seinen Wortschatz um ein Wort erweitert. Folglich wollte man künftig keine Stadt einfach nur angreifen, man wollte sie "hamburgisieren".

3.7. Angriffe auf Berlin

Harris war nach dem Fall Hamburg immer noch nicht zu frieden. Er setzte sich immer größere Ziele. Diesmal sollte es Berlin sein. Berlin war für die Engländer ein Reizwort, wie für die Deutschen London. Harris versprach: "Wir können Berlin von einem bis zum anderen Ende einäschern. [] Es wird uns 400 bis 500 Flugzeuge kosten. Es wird Deutschland den Krieg kosten." (Spiegel - Special "Als Feuer vom Himmel fiel - Bombenkrieg gegen die Deutschen" S.18). Man wollte Berlin hamburgisieren, das heißt man wollte Angriffe auf Berlin im Hamburger Maßstab führen.

Die ersten Großangriffe auf Berlin fanden in der "Battle of Berlin" von November 1943 bis März 1944 statt. Dieses Unternehmen wurde nun schon mit 1674 Bombern gestartet. Harris setzte sich bei der Zahl der Bomber keine Grenzen mehr. Nur beim ersten Angriff landet die Masse aller Bomben wie geplant im Regierungsviertel und in der Innenstadt. Die Folgen für die Berliner sind enorm. Innerhalb eines Monats verlassen eine Million Menschen die Stadt . Alle Schulen wurden geschlossen. Bei den Angriffen wurde versucht, die Machtzentralen der Partei, die Reichskanzlei und die Ministerien zu treffen. Meistens jedoch traf man dicht besiedelte Wohngebiete. Insgesamt forderte die "Battle of Berlin" 50.000 Todesopfer, 400.000-1.500.000 Menschen wurden obdachlos. Ein Viertel des Zentrums mit 68.000 Gebäuden wurde komplett zerstört. Harris misslang es den gewünschten Feuersturm, wie in Hamburg, zu entfesseln. Ab März 1944 wurde die Royal Air Force von der amerikanischen Luftwaffe mit Tagesangriffen unterstützt.

Nach der Bombardierung Berlins stellte man im August den Plan für den nächsten Angriff auf die Reichshauptstadt auf. In der "Operation Thunderclap" (engl.: Donnerschlag)sollten 2000 Bomber Berlin in ein Trümmerfeld verwandeln, auch wieder zu dem Zweck die Zivilbevölkerung zu demoralisieren. Man plante sogar die Zahl der Toten voraus. Es sollten 220.000 Berliner ihr Leben lassen. Letztendlich gab es in Berlin aber "nur" 3000 Tote.

Am Ende des Krieges ist Berlin, die am meisten mit Bomben belegte Stadt vor Essen, Köln, Duisburg, Hamburg, Dortmund und Stuttgart. Roosevelt schrieb nach einem Flug über Berlin in sein Tagebuch: "Das ist ein zweites Karthago!" Berlin war gefallen und damit auch die Moral vieler Deutscher. Kaum noch jemand glaubte, dass man gegen die so starke Luftwaffe aus England noch etwas ausrichten konnte. Demzufolge ist es kaum verständlich warum die Briten den Bombenhagel immer weiter vorantrieben. Nicht nur die bombardierte Fläche in Deutschland nahm zu, sondern auch die Grausamkeit mit der zugeschlagen wurde. Die auf Berlin folgenden Angriffe wurden auch als Terrorangriffe bezeichnet. Sie dienten weder dem Brechen der Moral der Zivilbevölkerung, noch der wirtschaftlichen Schwächung einer Nation. Sie dienten einfach nur der Vergeltung der Briten, der Ausgleich für das, was die Deutschen den Briten in Coventry angetan hatten. Aber sind dann die Angriffe in einem solchen Übermaß nicht genau so ungerechtfertigt wie die Angriffe auf Coventry. Das folgende Kapitel befasst sich nun mit dem Bombenterror der Briten und der mutwilligen Zerstörung historischer, deutscher Städte.

3.8. Deutschland im Bombenterror

3.8.1. Dresden im Februar 1945

In Dresden hielten sich Anfang Februar circa 950.000 Menschen auf. Darunter befanden sich auch viele Flüchtlinge, Verletzte und Kriegsgefangene. Die Stadt war an sich vollkommen schutzlos Luftangriffen ausgeliefert, die Luftabwehr war längst an die Ostfront abgezogen worden. Trotzdem Dresden in dieser Zeit viele Verletzte beherbergte, beschloss Harris einen Angriff auf Elbflorenz. Am 13. Februar warfen über 800 britische Bomber in der Zeit von 22.09 Uhr und 0.55 Uhr 400.000 Brand- und 4500 Sprengbomben fächerförmig über der Stadt ab. Erfolgreich erprobt wurde diese Strategie bereits 1944 in Würzburg. Die Folgen für Dresden waren kaum tragbar. Zusammenstürzende Straßenzüge versperrten die Fluchtwege vieler Menschen aus ihren Kellern. Die Menschen, die sich retten konnten, flüchteten auf die Elbwiesen. Doch das wurde ihnen zum Verhängnis. Die Schätzungen von damals gehen auf bis zu 200.000 Toten. Nach heutigen Ermittlungen sind 35.000-40.000 Tote realistisch.

3.8.2. Dessau im März 1945

"Der 7. März 1945 und das brennende Dessau ist mir immer gegenwärtig. Diese völlige Zerstörung einer Stadt, der Häuser, Wohnungen und Menschen war schrecklich. Ich bin aus dem Keller meiner Schwester in der Wasserwerkstraße während des Angriffs herausgekommen und sah von einer Erhebung in der Nähe das Inferno. Der Grundriss der Stadt war in Flammen zu sehen, er spiegelte sich im Wolkenhimmel wider. Und überall schreiende und fliehende Menschen. Es war ein grauenhafter Anblick. []
Arbeiterveteranin Maria Rentmeister-Rettmann" (Olaf Gröhler "Einsatz Nummer 1027 - der Luftangriff auf Dessau am 7.März 1945")

So oder so ähnlich muss es gewesen sein. Es war ein grausamer Anblick, eine Stadt sterben zu sehen. Der Angriff auf Dessau, bekannt unter dem Decknamen "Einsatz Nummer 1027", war einer der sinnlosesten Angriffe in der Geschichte des Luftkrieges. So hoffte man, von Seiten der Briten, dass der Faschismus nach dieser Attacke in eine tiefe Krise stürzen würde. So war es schließlich auch kein Wunder, dass sich die Begründungen für die Angriffe auf Dresden, Chemnitz und Dessau in ihren Grundprinzipien sehr ähnelten. So geriet Dessau im Frühjahr 1945 ins Visier des britischen Bomber Command, weil es eine nahezu unberührte Stadt in Mitteldeutschland war, an der man mit neuen Bomben und neuer Technik experimentieren konnte.

Die offizielle Angriffsbegründung für Dessau lautete: "Mit diesem Angriff sollten die Versorgungsgrundlinien des Gegners unterbrochen werden und dazu beigetragen werden, seine Fluchtbewegung aus Berlin zu desorganisieren."(ebenda S. 5)

Der Angriff auf Dessau stand keineswegs in rüstungsindustriellen Zusammenhängen. Er sollte nur zur Unterstützung der Terrorangriffe dienen, die schon seit Anfang Februar auf deutsche Städte geflogen wurden. Die Entscheidung, Dessau anzugreifen, fiel am 7. März 1945. Bereits um 10.40 Uhr erhielten die 1., 3., 6. und 8. Bomber Group den Vorbefehl, sich auf einen Nachtangriff auf Dessau vorzubereiten. Um 11.05 Uhr wurde dieser Vorbefehl bereits bestätigt. Der vorausblickende Wetterbericht vom Mittag für die Nacht über Dessau prophezeite klare Sicht. Nachdem um 14.30 Uhr die Besatzungen der Bomber Group zusammengefasst wurden, ließ man jedes Flugzeug mit 2154 Gallonen (entsprechen 9788 Litern)Treibstoff betanken. Der Befehl für den Angriff auf Dessau kam von Mc Ewens. Er hat auch die Stadt Dessau für den Brandangriff ausgewählt. Das Verhältnis von Spreng- und Brandbomben betrug 45 : 55. Für diese Mission wurden vom Bomber Command 520 Lancaster und 6 Mosquitos gestellt. Der Angriff auf Dessau stand im engen Zusammenhang mit Angriffen auf Hamburg, Heide, Berlin, Frankfurt am Main und Münster. Zwischen 21.45 Uhr und 22.15 Uhr sollten alle Angriffe erfolgen. Der Beginn wurde bei Dessau auf 22.00 Uhr festgelegt, die Dauer sollte 12 Minuten nicht überschreiten. Zwischen 16.45 Uhr und 17.15 Uhr starteten die Bombenflugzeuge von ostenglischen Flugplätzen. Der Deckname dieser Operation lautete "Shad", was so viel wie Maifisch bedeutet. Der Angriff wurde durch die deutsche Luftverteidigung erheblich erschwert. Bereits 19.28 Uhr wurden die britischen Flugzeuge durch die Luftabwehr erfasst und ins Visier genommen. So verloren die Briten vor den Bombardierungen schon 18 Lancasters. Ab 20.20 Uhr leisteten die Deutschen erhebliche Gegenwehr. Mit 200 Flugzeugen der 13. Jagdgruppe wurden einige britische Bomber vom Himmel geholt. Letztendlich starteten vom Norden aus circa 500 Bomber den Direktanflug auf Dessau. Zunächst wurden Staniolstreifen abgeworfen, um die deutsche Radarabwehr zu schwächen. Bereits um 21.49 fielen die ersten Luftminen. Der eigentliche Angriff begann aber erst 21.56 Uhr mit dem Markierungsverfahren. So wurden rote Himmelsmarkierungen abgeworfen, die im Herabfallen grüne Funken ausstießen. Trotzdem war das Ausleuchtungs- und Markierungsverfahren ein totaler Misserfolg. Zum einen, weil das Wetter nur ein Blindmarkieren zuließ und zweitens, weil durch Scheinmarkierungen der Deutschen die britischen Leuchtzonen und Angriffspunkte verschoben wurden. Der einzige Vorteil der Briten bestand darin, dass die deutsche Luftabwehr den Angriffen kaum etwas entgegen zu setzen hatte. Als 22.04 Uhr die Wolkendecke aufriss trat eine Wende im Luftkampf ein. Die Stadt war durch mehrere lodernde Feuer und den Flussverlauf der Elbe nun deutlich zu erkennen. So ist es auch kein Wunder, dass der Angriff auf 45 Minuten ausgedehnt wurde. In dieser Zeit wurden 744 Tonnen Sprengbomben und 949 Tonnen Brandbomben auf die Stadt geworfen. Nach den Angriffen schickte man noch eine Mosquito zur "Sirenentour" über Dessau. Es sollte die deutsche Bevölkerung noch einmal verängstigen und in ihre Keller zurücktreiben und damit die Lösch- und Aufräumarbeiten behindern.

Insgesamt fanden in der Zeit vom 20.08.1940 bis zum 07.03.1945 18 Luftangriffe auf Dessau statt. Die Angriffe hinterließen 3.4 Millionen Kubikmeter Trümmer, was einem Zerstörungsgrad von 80% entspricht.

3.8.3. Bombenterror in der schlimmsten Stufe

Einer der schlimmsten Angriffe auf die Zivilbevölkerung erfolgte auf Pforzheim. Nach den Angriffen vom 23. Februar zählte die "Stadt" 17.000 Tote. Rund 80% der Gebäude wurden zerstört. Bei dem Terrorbombardement auf Würzburg wurden sogar 89% der Gebäude zerstört. Die Stadt war nach dem Bombenhagel nicht mehr wieder zu erkennen, sie war förmlich von der Landkarte verschwunden.

Es folgten im Zuge des "Terrorbombing" noch Angriffe auf Wilhelmshaven, Bremen, Emden und Cuxhaven.

Die alliierte Luftwaffe wollte entweder einen ökonomischen Zusammenbruch oder zumindest eine nachhaltige Schwächung Deutschlands. Es sollte sich nicht so schnell von den Folgen erholen können. Dieser Krieg sollte, laut Churchill, den Deutschen eine Lehre sein. Die Methode der Briten war damit zweckmäßig, billig und vor allem für die zur Verfügung stehenden Kräfte realisierbar.

Als letztes traf es zwei Transportschiffe in der Lübecker Bucht als Folge eines tragischen Irrtums. Angeblich sollten sich an Bord tausend deutsche Soldaten befinden. Tatsächlich befanden sich 7200 Zivilisten an Bord, 6900 davon stammten aus befreiten Konzentrationslagern der Nazis.

Eine Bilanz des Luftkrieges ist kaum möglich. Die meisten Zahlen beruhen auf Schätzungen und sind in den seltensten Fällen wirklich ernst zu nehmen.
Fakt ist: Am Ende des Krieges zählt man auf deutscher Seite mindestens 450.000 Tote. Schätzungen gehen sogar von bis zu 600.000 Toten aus.
Der Luftkrieg war damit kaum ein Krieg gegen ein Regime und damit gegen ein Land, sondern eher ein Krieg gegen ein Land und seine Zivilbevölkerung geworden.